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Vom Sparen zum Genuss
Verhaltensmuster in der Finanzwelt
Den Himmel im Jenseits oder lieber schon auf Erden?
Betrachtet man die Geschichte der Wirtschaft, so entdeckt man mehrere Verhaltensmuster. Es begann mit dem Sparen, das nach Weber auf die protestantische Ethik zurückgeht. Man verzichtete auf Freuden dieser Welt, um sich im Jenseits einen Platz im Himmel zu sichern. Das Geld wurde auf die hohe Kante gelegt. In anderen Ländern (mit angeblichem Sozialismus) wurden und werden die Bürger zum Sparen angehalten.
Im Laufe der Jahre gab man den Gedanken auf, sich durch sein Erspartes den Himmel im Jenseits zu sichern. Man erstand ihn lieber bereits auf dieser Welt, in Form einer Reise, eines Fernsehers, eines tollen Autos … Konsum löste das Sparen ab, d.h. man sparte zwar noch immer, doch nicht des Sparens willen sondern des Konsums. Finanzanbieter richteten sich darauf ein, indem sie Gewinne (durch Renditen) versprachen.
Doch die Sehnsucht nach dem Himmel (auf Erden) weckte Ungeduld. Man wollte nicht warten, bis man sich genug erspart hatte, sondern gleich genießen. Zahlen konnte man ja auch hinterher noch. So entwickelte sich das Schuldenmachen, als eine Art umgekehrtes Sparen. Kam früher erst das Sparen und dann der Genuss, drehte sich diese Ordnung um. Erst genießen, dann sparen wobei "sparen" dabei freilich "abbezahlen" bedeutet.
Wohin dieser Trend führte, zeigen vergangene Finanzkrisen. Sowohl im Privatleben als auch in der Finanzwelt baute man Luftschlösser, die - wie konnte es anders sein - zerplatzten.


