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Neue Finanzgröße asiatischer Schwellenländer
Investition riesiger Dollar-Devisenbestände
Schutz der westlichen Schlüsselindustrie
Viele Schwellenländer erwirtschafteten in den letzten Jahren Unsummen, so z.B. die des Nahen Osten durch ihren Ölverkauf. Während der ersten Ölkrise in den Siebzigern freuten sie sich bereits an hohen Gewinnen, doch legten sie diese nicht gewinnbringend an, so dass sie in den Achtzigern, beim Sinken der Ölpreise, vor Finanzproblemen standen. Bei der aktuellen Ölteuerung möchten sie nicht denselben Fehler machen. Auch in die Taschen weiterer asiatischer Länder flossen in den letzten Jahren durch große Exporte hohe Gewinne. Billige Produktion und ein künstliches Niederhalten der Währung bescheren neben einer Riesennachfrage auch hohe Dollar-Devisenbestände. Viele Schwellenländer verfügen über Riesenersparnisse, so dass bereits China, Japan und Russland an Rücklagen von nahe zweitausend Milliarden Euro horten.
Bislang investierten die Staaten dieses Vermögen zum größten Teil in amerikanische Staatsanleihen (China) oder lagerten es in Schweizer Bankkonten (Ölstaaten), die zwar Sicherheit, dafür jedoch nur eine geringe Rendite bieten. Nun scheint die Zeit ruhiger Investitionen vorbei. Nach Vorbild der Singapurer Temasek Holding (Durchschnittsrendite: 18 Prozent) gründete China einen Staatsfonds, der andere Staaten das Fürchten lehrt. Als sei einer nicht genug, bangen große Wirtschaftsnationen vor weiteren Staatsfonds, eben aus dem Nahen Osten.
Staatsfonds sind Vermögenssammelstellen aufstrebender Schwellenländer, die Geld an internationalen Kapitalmärkten oder durch den Kauf von Firmenanteilen investieren. Besonders vor letzterem zittert man im Westen, denn die Staatsfonds sind so mächtig, dass der weltgrößte Fonds, die ADIA (Abu Dhabi Investment Authority, 875 Milliarden Doller), für nicht einmal ein Zehntel seines Vermögens die Deutsche Bank einsacken könnte. Weltweit sitzen Staatsfonds auf ungefähr 2500 Milliarden Dollar. Auf den weltweiten Finanzmärkten haben sie inzwischen hohe Bedeutung.
Ein Großteil der Staatsfonds ist in der Hand rohstoffreicher Staaten und asiatischer Länder mit staatlicher Prägung. Zu Zeiten großer Gewinne legen sie ihre Einkünfte an, um bei einer Flaute auf sie zurückzugreifen. Einziger europäischer Staat mit Fonds ist übrigens Norwegen, der hier die Milliarden aus seiner Ölförderung einspeist.
Die Fondsverwaltung erledigen Finanzmarktexperten mit bislang unbekannten Zielen. Die Allgemeinheit weiß über die Fonds nichts, da die Manager ihre Pläne geheim halten. Sie investieren z.B. in Aktien, Anleihen, Finanzprodukte, doch werden in letzter Zeit auch Strategien der berüchtigten Private-Equity-Fonds genutzt. Diese erstehen Unternehmen, strukturieren sie um und verkaufen sie weiter, was den Investoren eine hohe, zweistellige Rendite beschert. Schattenseite sind die häufigen Angestelltenentlassungen und Wechsel der Vorstände, mit dem Trachten nach größeren Einsparungen und Umorientierung des Betriebes.
Größte Befürchtung ist der strategische Kauf von Unternehmensanteilen bzw. ganzen Unternehmen, was umso schlimmer ist, da die jeweilige Landesregierung quasi die Anlagepolitik bestimmt. Staatsfonds böten also ein tolles Mittel zur Stärkung des politischen Einflusses auf ausländische Unternehmen. Überdies wären z.B. die Post, Telekom, Banken oder Rüstungswirtschaft begehrte Ziele zum Kauf von Anteilen, um deren Technologien ins Ausland zu bringen.
Da die Bedrohung durch Staatsfonds erst vor kurzem auftauchte, gab es jedoch noch keine Fälle von Wissensklau oder Firmenaufkauf.
Zum Schutz ihrer Schlüsselindustrie vor der ausländischen Gefahr greifen einige Länder zum methodischen Protektionismus. So verhindert in den USA der Ausschuss für ausländische Direktinvestitionen (Committee on Foreign Investment) gefährliche Anteilskäufe ausländischer Investoren in nationale Unternehmen. Frankreichs staatliche Bank CDC kaufte zum Schutz selbst Anteile der bedeutendsten Unternehmen.
Angst sollte man vor Staatsfonds nicht haben, denn ihr Interesse an einem Finanzmarkt zeugt zunächst von dessen Bedeutung. Zudem helfen sie bei der Bekämpfung von Krisen, indem sie Kapital bereitstellen oder manchem Beteiligten (Banken o.ä.) finanziell unter die Arme greifen. Protektionismus ist also nicht angebracht, doch sollte man im Gegenzug gerechtes Verhalten fordern, eine Offenlegung der Strategien und Strukturen, besonnener Umgang mit dem Besitz.
Im Blickpunkt sind natürlich v.a. die chinesischen und russischen Staatsfonds. Der CIC (China Investment Corporate Ltd.) stehen 200 Milliarden Dollar zur Verfügung, was sie zu einer der international bedeutendsten macht. Ihre Laufbahn begann mit einer Investition von drei Milliarden Dollar in Blackstone. Angeblich lässt sich der Fonds nicht von der Regierung beeinflussen sondern richtet sich nur nach Wirtschaftsgrundsätzen. Die Gelder werden langfristig und in Finanzprodukte angelegt; zudem ersteht sie keine Unternehmen, sondern kauft nur Minderheitsbeteiligungen.
Leiter: Lou Jiwei, der ehemalige Vize-Finanzminister.
Manch einer rät, die Lage nicht allzu schwarz sehen, denn die neue Anlageform bietet auch eine große Chance. Werden die Fonds umsichtig und rücksichtsvoll benutzt, so ließe sich durch sie die Riesenkluft zwischen armen und reichen Staaten ausgleichen. Jedoch: Wer glaubt bei Wirtschaftsmächten schon an Rücksicht?



